Wissenschaftskarrieren gestern und heute

Auf zu hohen Zielen.

Nobelpreisträger sind mit dem Erhalt des Nobelpreises am Höhepunkt ihrer Karriere angelangt, so sollte man meinen. Sie sind Professoren an renommierten Universitäten oder Forschungseinrichtungen und haben dort meistens auch keine finanziellen (oder personalpolitischen) Sorgen.
Aber verlief ihr Karriereweg bis hin zum Nobelpreis auch immer zielgerichtet (klassisch akademisch) und ohne finanzielle Sorgen?
Ich werde recherchieren und bei deutsch(sprachig)en Nobelpreisträgern nachfragen, denn gerade der deutsche Karriereweg in der (chemischen) akademischen Forschung war (und ist es teilweise heute noch) ein erfolgreiches Konzept, um eben Forschung und Hochschullehre eng miteinander zu verzahnen.

Vor einigen Jahr(zehnt)en verlief die Karriere eines Forschers normalerweise sehr übersichtlich und häufig auch geradlinig. Der Anfang der Karriere eines (deutschen) Forschers hatte in groben Zügen dieses Muster:

  1. Zuerst eine Diplomarbeit (heute Masterarbeit) als Einstieg in die Forschung,
  2. dann die Promotion zur Weiterbildung und als erste ‘eigenständige’ Forschungserfahrung,
  3. anschließend eine Post-Doc-Stelle zur Schärfung seiner Forschungsziele und Gewinn neuer Einsichten und
  4. weiter eine Habilitantenzeit mit dem Abschluss der (heute offiziell nicht mehr benötigten) Habilitation (z.B. zum Dr. rer. nat. habil.). Während der Habilitationszeit wurden gleichzeitig zur Forschung ebenso Kompetenzen in der Vermittlung eben dieser Forschung und generell der Hochschullehre erworben.

Im Anschluss wurden habilitierte Forscher mit Lehraufträgen als PrivatdozentInnen an der Universität gehalten oder aber noch enger als akademische Räte in einem entsprechenden Lehrstuhl eingebunden. Hier verblieben die Hochschullehrer (vs. Forscher) bis zur (5.) Berufung auf eine Professur oder (6.) der Rente (bzw. Pension).

Soweit zum klassischen Weg.

Für die derzeitige junge Generation hat sich gerade im letzten Karriereabschnitt einiges geändert. Bis zur Post-Doc Zeit (1.-3.) ist die Karriereleiter des akademischen Forschers gleich geblieben. Aber schon bei der Habilitationszeit (früher typischerweise 2 x 3 Jahre auf einer C1-Position, das heißt Beamter auf Zeit) fängt es an schwierig zu werden den Überblick an Absolventen zu behalten. Neben der klassischen Habilitation gibt es heute nämlich einige weitere adäquate Positionen seine wissenschaftliche Kompetenz zu erweitern (z.B. Emmy-Noether Stipendium (DFG), Marie-Curie Stipendium (EU), Junior-Professuren (einige Bundesländer in Deutschland), Humboldt-Stipendien, Max-Planck-Stipendien usw..

Am Ende dieser Zeit der Selbstfindung in der Forschung und der Lehre konkurrieren dann alle Absolventen um die wenigen zur Verfügung stehenden Professuren. Dieser Mangel verstärkt sich leider auch noch durch die Tatsache, dass in den letzten Jahren aufgrund genereller Sparmassnahmen an den Universitäten immer weniger ‘Mittelbaustellen’ zur Verfügung stehen. Alternativen, wie die eigenständige Finanzierung der Forschung durch Habilitierte über Drittmittel (laut Hochschulrahmengesetz die einzige Möglichkeit nach 12 Jahren noch eine Anstellung an der Uni zu halten) sind zwar prinzipiell machbar, sind aber bisher nur selten (bis gar nicht) in den Konzepten der eigenverwalteten Universitäten vorgesehen.

Um mit dieser ‘Vielzahl’ an weit in ihrer wissenschaftlichen Karriere vorangeschrittenen Forschern besser umgehen zu können oder diese zu vermeiden, gäbe es nun mehrere Lösungsansätze:

  1. Früher aussortieren !
  2. Wieder mehr Stellen an Universitäten für den (un)befristeten Mittelbau einrichten !
  3. Hochschulrechtliche Grundlagen für den ‘eigenfinanzierten Mittelbau’ verbessern !
  4. Mehr Professuren einrichten !

Meiner Meinung nach macht man es sich mit dem Lösungsansatz 1 zu einfach (-Denn welche Institution sollte die Weiterqualifikation aufgeben?-) und Lösungsansatz 4 würde die Qualität der Lehre und Forschung inflationär herabsetzen (bzw. unterwandern).
Tja und die Lösungsansätze 2 und 3 sind derzeit politisch nicht realisierbar, denn zum einen müsste die 12-Jahres-Klausel für den öffentlichen Bereich aufgehoben werden und zum anderen müssten die Hochschulen prinzipielle Grundlagen zur Eigenfinanzierung ihres Mittelbaus schaffen.

Auch hierzu werde ich versuchen Meinungen und Vorschläge der anwesenden Nobelpreisträger einzuholen. Vielleicht können sie ja auch neue Wege aufzeigen, denn gerade sie und allgemein diese Generation Forscher hat starken Einfluß auf (hochschul)politische Entscheidungen.

Ich werde berichten!

Wer bis dahin noch Zeit hat, kann sich noch in den Nobel Lab 360° View bei Aaron Ciechanover, Nobelpreisträger für Chemie 2004, reinklicken
(Er wird am Montag, 1.Juli, 17.oo-18.oo Uhr in der Science Master Class jungen Forschern als Meister zur Seite stehen und am Dienstag, 2.Juli. 9.oo-9.3o Uhr einen Vortrag geben).

Es ist sehenswert und eine tolle Idee:

Nobel Lab 360° View bei Aaron Ciechanover

 

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One Response to “Wissenschaftskarrieren gestern und heute”

  1. Avatar of Beatrice Lugger
    Beatrice Lugger Says:

    Danke für die sehr gute Analyse der aktuellen Lage im Vergleich für Forscherkarrieren in Deutschland ‘früher’. Da merkt man, welche immensen Auswirkungen wie die 12 Jahresregel haben können. Es wäre wirklich schön, wenn Du in Lindau durch den Vergleich mit anderen Ländern neue Ideen auftust. Womöglich ein komplett andere Ansatz.

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