Mein persönliches Zwischenresumee

Thu, Jul 4, 2013 by Thomas Letzel

Allgemein, Chemie, German

Meine jetzt schon feststehende Empfehlung: Bewerbt Euch !
Und seht zu, dass Ihr als ‚Young Researcher‘ (graues Band fürs Namensschild), als ‚Special Guest‘ (rotes Band) bzw. als Journalist (gelbes Band) eingeladen werdet oder Ihr bekommt gleich den Nobelpreis (türkises Band), dann werdet Ihr zusätzlich sogar noch abgeholt und mit einer schwarzen Limousine (c)hauffiert.
Es lohnt sich wirklich!

Black Limousines for Nobel Laureates
Credit: Kathleen Raven

Wissenschaftlich-soziale Veranstaltungen
Es ist schon beeindruckend, wenn mehrere hundert Jungwissenschaftler aus den verschiedensten Ländern und unterschiedlichsten ‚chemischen‘ Bereichen sich gegenseitig Ihre Länder und Bereiche vorstellen. Wie es ein Kollege der schreibenden Zunft am Montag Abend so schön sagte: Hier beim koreanischen Gala-Abend ist die Lautstärke mindestens dreimal so hoch wie üblicherweise bei solchen Veranstaltungen. Und er hatte recht. Schön war es zu sehen, wie herzerfrischend fröhlich die geladenen Gäste das reichgefüllte Buffet stürmten bis nichts mehr vorhanden war um dann die traditionelle Polonäse zu tanzen -ohne zu vergessen sich immer auch über Forschung und deren Möglichkeiten auszutauschen-.
Diesen Eindruck hatte ich auch auf der Abendveranstaltung des folgenden Tages und gestern morgen beim Science Breakfast. Allerdings wurde bei beiden Veranstaltungen nicht getanzt und das Essen ging auch nicht aus .

So durfte ich eben am Dienstag Abend – als Blogger persönlich geladen – am Academic Dinner der Alexander-von-Humboldt-Stiftung teilnehmen, was angesichts der sonst abwesenden Presse schon eine besondere Ehre war. Das Essen schmeckte (nicht nur deshalb) besonders lecker und die Atmosphäre war locker. Wie ich von meinen Bloggerkolleg(inn)en gehört habe war es bei deren Einladungen durch die Nobelstiftung, Helmholtz-Gemeinschaft, CNRS, DOE, Max-Planck-Gesellschaft, SAP, Merck) ebenso. Zu solch einem ‚Academic Dinner‘ sind neben den Gastgebern immer auch eine kleine Gruppe ‚Young Resarcher‘, ein Nobelpreisträger und auch ein Blogger geladen. So kann es bleiben.
Ich teilte den Tisch mit in Deutschland arbeiteten Jungforschern die aus den unterschiedlichsten Regionen der Erde kamen (Uruguay, Spanien, Japan und China) – wie es sich für Humboldt-Stipendiaten auch gehört – und war Teil dieser regen Diskussion. Da wurde dann neben den fachlichen Ausrichtungen auch die nationalen Eigenheiten in der chemischen Ausbildung diskutiert, sowie die Job-Aussichten in den jeweiligen Heimatländern, aber auch die familiäre Situation. So hatten wir neben einem ledigen Forscher, auch einen verlobten Forscher, einen werdenden Vater und eine forschende Mutter (mit anwesenden Mann und Kleinkind), sowie einen bloggenden Vater. Wenn das mal nicht sozialer Austausch der besonderen Art ist.

Lindau 2013

Scientific Breakfast Lindau 03.07.2013

Das ‚Scientific Breakfast‘am Mittwoch morgen war gut besucht und schon um 7.oo fanden teils mit vollem Mund rege Unterhaltungen statt. Hierzu ist anzumerken, dass im Gegensatz zu üblichen Veranstaltungen die Leute fast komplett zu dieser frühen Stunde vor Ort waren, obwohl sicher einige den Abend zuvor die Academic Dinners länger genossen hatten. Löbliche Einstellung, da kann sich so manche Wissenschafts-veranstaltung eine Scheibe davon abschneiden!
Die fachliche Diskussion im Anschluß mit dem Thema ‚Quantum Information Processing‘ wurde von den aktuellen Nobelpreisträgern für Physik Serge Haroche und David J. Wineland geführt, die Beide auch am Montag darüber referiert hatten. Die Frage-Antwort-Stunde war eine sehr kurzweilige Aktion, die manchmal allerdings etwas in Details abzugleiten drohte. In netter Erinnerung bleibt für mich aber die öfter wiederholte Aussage, dass man bisher ‚nur‘ Grundlagen kennt und man von einem richtigen ‚Quantum Computer‘ noch nicht einmal zu träumen wagt. Understatement von Nobelpreisträgern ;- )

Abendlich finden dann auch noch sogenannte Master Classes statt, denen man nur mit persönlicher Einladung beiwohnen durfte: Ich konnte die Masterclass von Aaron Ciechanover begleiten in der vier Jungforscher ausgewählt waren ihre Arbeiten vorzustellen und anschliessend mit dem Nobelpreisträger sowie dem Auditorium zu diskutieren. Es fand –wie nicht anders zu erwarten- eine rege Diskussion statt, allerdings hielt sich der ‚Meister‘ etwas zurück und moderierte überwiegend. Letzteres war etwas schade, da sicherlich alle gespannt waren was ein Nobelpreisträger zu den Arbeiten zu sagen gehabt hätte und welche Einblicke er preisgeben würde. Beatrice ging es bei Dan Shechtman ähnlich.

Bei den täglich um 15 Uhr stattfindenden ‚Discussions with young researchers‘ war keine Presse zugelassen. Allerdings bin ich mir sicher, dass auch diese Veranstaltungen zur regen Diskussion genutzt wurden.

Ein kleines Manko konnte ich natürlich auch ausmachen: Bei der heutigen Podiumsdiskssion über ‚Chemical Energy Conversion & Storage‘ waren die Fragen überwiegend außerhalb der Fachgebiete der anwesenden Nobelpreisträger und somit konnten diese teils auch nur wage dazu Stellung beziehen. Dies ist besonders deshalb schade, da die Preisträger sicher zu dem Thema Energie Konkreteres beitragen hätten können.

Plenarvorträge
Insgesamt tragen 27 Nobelpreisträger in Plenarvorträgen ihre Arbeiten vor.
Eines muss man den Veranstaltern ja lassen, mit Brian Kobilka, Aaron Ciechanover und Martin Chalfie als jeweiligen Startredner an den bisherigen drei Tagen haben sie es geschafft, dass das Haus von Anfang an voll war. Wie schon für Kobilka von mir beschrieben, haben die drei Redner ihr Publikum mit Weitblick und tollen Folien nicht nur gut unterhalten sondern auch tiefergehend informiert.
Generell konnte man bisher vier Schwerpunkte der vortragenden Redner ausmachen: Membranproteine, personalisierte Medizin, Quantum Information Processes und (an)organische Chemie. Aber es kamen auch andere Bereiche zur Sprache wie die Entwicklung der Adaptiven Chemie, die Umweltveränderungen oder aber auch die Oberflächenkatalyse
Die Vorträge waren durchgehend gut, wenn auch teilweise heftig, wie z.B. der von Akira Suzuki. Wie auch an unseren Posts zu sehen ist, waren allerdings die Vorträge mit Proteine wohl am Nachhaltigsten, so der von John E. Walker, Brian K. Kobilka oder Aaron Ciechanover.

Nobelpreisträgertreffen Lindau 2013

Fazit
Alles in Allem kann ich der Veranstaltung bisher ein dem Anlass gemässes ‚Summa cum laude‘ geben.Ich freue mich schon auf die verbleibenden Tage und weitere Erfahrungen als Interviewer (heute steht nämlich noch ein Interview mit Brian Koblika und mit Kurt Wüthrich an).

P.S. Die Nicht-Verwendung des Titels Professor oder Doktor in diesem Post ist nicht respektlos, sondern auf dieser Tagung gewollt. So möchte man eine Diskussionsebene ohne Hierachien schaffen.
Aus diesem Grund führe auch ich auf meinem Namensschild keinen Titel ;- ).

P.S.P.S. Das eingangs erwähnte gelbe Band soll Gerüchten zufolge eingeführt worden sein, damit die Nobelpreisträger die Journalisten schon von Weitem erkennen können und rechtzeitig flüchten ;- ).
Der Vollständigkeit halber seien noch die anderen Farben der Bänder genannt: Lila für begleitende Familienmitglieder, weiß für Lindau Alumnis, braun für Mitarbeiter beteiligter Partner, orange für eigene Mitarbeiter, grün für Stiftungsmitglieder und schwarz für Mitarbeiter des ausführenden Sekretariats.
Wie man sieht ein buntes Völkchen.

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